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Booking.com Versicherung: was sie zahlt und was nicht

Booking.com stellt Partnern eine kostenlose Haftpflicht über Zurich, gedeckelt bei 1 Million Euro. Wo sie endet und welche eigene Police daneben gehört.

Said ShurafaSaid ShurafaVersicherungsmakler (IHK) • 100% spezialisiert auf Kurzzeitvermietung

Booking.com Versicherung: 1 Million Euro, und dann?

8 Min. · vorgelesen

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Booking.com Versicherung: was sie zahlt und was nicht

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Ein Gast rutscht bei dir in der Dusche aus und bricht sich den Arm. Haftest du dafür, zahlt Booking.com bis zu 1 Million Euro, kostenlos, ohne dass du je etwas beantragt hast. Zwei Wochen später bricht nachts jemand ein, tritt die Tür ein und nimmt den Fernseher mit. Für diesen Schaden zahlt Booking nichts.

Beide Male ist dieselbe Police im Spiel, und beide Male arbeitet sie so, wie sie gedacht ist. Die Partner Liability Insurance ist ein echter Vertrag über die Zurich, aber sie trägt nur Schäden, die andere Leute treffen. Deine eigenen trägst du selbst. Wie schmal der Streifen wirklich ist, steht in einem Papier, das wir zwei Monate lang angefragt und nie bekommen haben.

Bevor du entscheidest

Das hier sind allgemeine Informationen und unsere Einschätzung dazu. Vor einer Entscheidung in deinem Fall sprich bitte mit uns.

Wer versichert dich da eigentlich?

Die Zurich Insurance Europe AG, und den Vertrag dazu hat Booking.com geschlossen. Das Programm heißt Partner Liability Insurance, kurz PLI, und läuft seit dem 31. März 2022 für alle Gastgeber kostenlos mit. Wer einen Schaden meldet, schreibt weder Booking noch der Zurich, sondern Crawford & Company, einem fremden Regulierer, zu erreichen unter Booking.comHelp@crawford.com.

Der Unterschied zu einer eigenen Police steckt in einem einzigen Wort, und das heißt Versicherungsnehmer. Booking.com ist es, du bist nur der Versicherte. Juristisch ist das eine Versicherung für fremde Rechnung. Der Anspruch aus dem Vertrag steht dir zu, ohne die Zustimmung von Booking.com gerichtlich geltend machen kannst du ihn aber nur, wenn du den Versicherungsschein besitzt. Über deine Rechte verfügen darf im eigenen Namen ohnehin Booking.

Bei einer eigenen Police stehst du dem Versicherer direkt gegenüber. Du liest die Bedingungen vor der Unterschrift, du wirst beraten, und im Schaden vertritt dich jemand hier in Deutschland.

Wann zahlt die PLI, und wann nicht?

Sie zahlt, wenn dein Betrieb einem Dritten schadet, und die Übersicht nennt dafür zwei Fälle. Der eine betrifft deinen Gast selbst, der andere alle Übrigen, die durch ihn zu Schaden kommen.

  1. Ein Gast wird verletzt, während er bei dir wohnt. Er rutscht in der Dusche aus und bricht sich den Arm.
  2. Ein Dritter hat einen Sachschaden, den dein Gast im Aufenthalt verursacht. Der Gast lässt den Hahn laufen, und das Wasser steht in der Wohnung unter dir.

Nach oben ist die Deckung dreifach begrenzt. Die Beträge stehen in der Policy Summary, und sie gelten je Vorfall, je Unterkunft und für das Programm insgesamt.

LimitBetrag
Pro Vorfall1.000.000 Euro (EWR)
Pro Unterkunft, Programmlaufzeit1.000.000 Euro
Programm-Gesamtlimit10.000.000 Euro

Die Liste der Ausschlüsse fällt dagegen lang aus. Das sind die Punkte daraus, die einen Gastgeber am häufigsten treffen.

Was die Booking.com Versicherung ausdrücklich nicht deckt
  • Deine Wohnung und dein Inventar. Was in deiner Obhut, deinem Besitz oder deiner Kontrolle ist, bleibt außen vor (Klausel „care, custody, control").
  • Buchungen über andere Portale und Direktbuchungen. Gedeckt ist nur, was über Booking.com kommt.
  • Schimmel, Pilze und Bakterien im Gebäude.
  • Unfälle deiner Leute. Verletzt sich die Reinigungskraft oder der Hausmeister, zahlt die PLI nicht.
  • Schäden mit Absicht und sexuelle Übergriffe. Dazu Diskriminierung, aber nur gegenüber deinen eigenen Beschäftigten, nicht gegenüber Gästen.
  • Asbest, Blei, Siliziumdioxid.
  • Haftung aus Verträgen, die weiter geht als das Gesetz.
  • Datenpannen und Cyber-Vorfälle, dazu Schäden an Daten.
  • Krieg und politische Risiken.

Ein Posten fehlt in der Übersicht auffällig, nämlich deine Selbstbeteiligung. Eine Zahl steht dort nicht. Wer einen Schaden meldet, weiß vorher also nicht, was am Ende bei ihm hängen bleibt.

Welche Schäden bleiben bei dir?

Die meisten. Bei kurzer Vermietung trifft der übliche Schaden gar keinen Dritten, sondern dich. Der kaputte Fernseher. Der Kratzer im Holzboden. Die Einnahmen, die ausfallen, solange die Wohnung nach einem Wasserschaden stillsteht.

Was passiertBooking PLIWas es sonst trägt
Gast wird verletztja, bis 1 Mio. EuroBetriebshaftpflicht, oft 5 bis 10 Mio. Euro möglich
Nachbar hat einen Sachschadenjadieselbe Betriebshaftpflicht, für jede Buchung
Inventar zerstört oder gestohlenneinInhaltsversicherung
Umsatz fällt nach einem Schaden ausneinErtragsausfallbaustein
Direktbuchung oder anderes Portalneineigene Police, sie gilt für jede Buchung
Schimmel, Bakterien, PilzeneinInhalts- und Gebäudeversicherung
Streit vor GerichtneinFirmenrechtsschutz
Gebäudesubstanz (Eigentümer)neinGebäudeversicherung mit KZV-Klausel
Reinigungskraft verletzt sichneineigene Betriebshaftpflicht oder Berufsgenossenschaft
Persönliche Haftung GeschäftsführerneinD&O-Versicherung

Die mittlere Spalte kippt außerdem ganz, sobald ein Gast anders bucht. Wer über mehrere Portale vermietet und dazu Stammgäste und eine eigene Seite hat, steht bei jeder Buchung außerhalb von Booking.com ohne diesen Baustein da. Eine eigene Betriebshaftpflicht gilt für jede Buchung, ab der ersten Nacht, über jeden Kanal.

Warum kennt niemand die Bedingungen?

Weil es sie öffentlich nicht gibt. Frei zugänglich ist allein die Policy Summary, also eine Übersicht auf wenigen Seiten. Die Police selbst, mit allen Klauseln, Begriffsbestimmungen, Fristen und Ausschlüssen, steht nirgends.

Wir haben sie als Makler für diese Sparte über die offiziellen Wege angefragt, zwei Monate lang, mehrfach, mit Erinnerungen. Gekommen ist nichts: keine Police, kein Dokument, keine klare Antwort.

Warum das bezeichnend ist

Wenn nicht einmal ein Makler vom Fach die Bedingungen zu sehen bekommt, bekommst du sie als einzelner Gastgeber erst recht nicht. Du verlässt dich dann auf Regeln, die du nicht kennst: dein Anteil am Schaden, deine Pflichten, die Fristen zum Melden. Bei einer eigenen Police liegen die Bedingungen vor der Unterschrift auf dem Tisch, und ein Makler geht sie mit dir durch.

Was passiert, wenn Booking nicht verlängert?

Dann stehst du zum Jahreswechsel ohne diesen Baustein da. Die PLI ist ein Jahresprogramm. Die aktuelle Fassung läuft vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2026, danach legt Booking sie neu auf, und Booking.com und die Zurich behalten sich vor, die Regeln zu ändern oder das Programm zu beenden.

Bis jetzt kam jedes Jahr eine neue Runde. Zugesagt hat das niemand.

Eine eigene Police bei einem Versicherer in Deutschland läuft dagegen 1 oder 3 Jahre. Eine Police, die das Portal zahlt, läuft so lange, wie das Portal es will.

Was du jetzt tust

So gehst du vor

  1. Zähl deine Buchungskanäle durch. Alles, was nicht über Booking.com kommt, läuft ohne die PLI: deine eigene Seite, andere Portale, Stammgäste, Eigennutzung.
  2. Frag nach deiner Selbstbeteiligung, bevor du dich auf das Programm verlässt. In der öffentlichen Übersicht steht keine.
  3. Prüf deine Deckungssumme. 1 Million Euro je Vorfall ist bei einem schweren Personenschaden schnell knapp. Eigene Betriebshaftpflichten gehen oft auf 5 bis 10 Millionen.
  4. Schließ zuerst die drei Lücken, die dich am häufigsten treffen. Inventar, Ertragsausfall und Rechtsschutz stehen in der Spalte „nein".
  5. Sag deinem Versicherer, über welche Kanäle du vermietest. Eine eigene Police richtet sich nach deinem Betrieb, nicht nach dem Portal.

Was dein Objekt wirklich braucht, rechnest du in wenigen Minuten selbst aus.

Häufige Fragen zur Booking.com Versicherung

Ist die Booking.com Partner-Haftpflicht eine echte Versicherung?
Ja. Die Partner Liability Insurance ist ein echter Versicherungsvertrag mit der Zurich Insurance Europe AG. Du hast einen Rechtsanspruch auf Leistung im versicherten Schadenfall. Sie deckt allerdings nur Drittschäden, also Personen- und Sachschäden bei Gästen oder Nachbarn.
Reicht die Booking-Versicherung als alleiniger Schutz?
Nein. Sie ist eine reine Haftpflicht für Drittschäden, deckt also nur Personenschäden bei Gästen und Sachschäden bei Dritten. Inventar, Ertragsausfall, Rechtsschutz, Gebäude und Direktbuchungen sind nicht versichert.
Bin ich bei Direktbuchungen oder Buchungen über andere Plattformen versichert?
Nein. Die Booking.com PLI gilt ausschließlich für Reservierungen, die über Booking.com vermittelt wurden. Direktbuchungen oder Buchungen über andere Plattformen fallen aus der Deckung heraus.
Was passiert, wenn ein Gast mein Inventar zerstört?
Das ist nicht versichert. Schäden an deiner eigenen Unterkunft, an deinem Inventar oder an Sachen in deiner Obhut sind in der Booking.com PLI komplett ausgeschlossen ("care, custody, control"-Klausel). Dafür brauchst du eine eigene Inhaltsversicherung.
Was, wenn Booking.com das Programm einmal nicht verlängert?
Dann hast du zum Jahreswechsel keinen Schutz mehr. Die PLI ist ein Jahresprogramm, das seit 2022 jährlich neu aufgelegt wird. Booking.com und Zurich können bei jeder Verlängerung anpassen oder einstellen. Eine eigene Versicherung hat dagegen eine vertraglich gesicherte Laufzeit.

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