Booking.com bewirbt seine Partner-Haftpflichtversicherung mit 1 Million Euro Deckung, kostenlos und automatisch für jede Buchung. Es ist eine echte Versicherung über Zurich. Trotzdem reicht sie als alleiniger Schutz nicht aus. Sie deckt nur einen schmalen Ausschnitt deiner Risiken ab und ist als Jahresprogramm jederzeit anpassbar.
- Echte Haftpflichtversicherung über Zurich, 1 Mio. EUR Deckung, kostenlos, automatisch für jede Booking-Buchung (Policy Summary)
- Existiert seit dem 31. März 2022, wird seitdem jährlich verlängert
- Nur Drittschäden: Personenschäden bei Gästen oder Sachschäden bei Nachbarn. Mehr nicht.
- Nur Booking-Buchungen: Direktbuchungen, andere Plattformen, Eigennutzung sind raus
- Inventar, Ertragsausfall, Schimmel, Mitarbeiter: alles ausgeschlossen
- Eigene Policen bleiben Pflicht: Betriebshaftpflicht, Inhaltsversicherung, Ertragsausfall
- Vollständige Bedingungen nicht einsehbar: Wir haben sie als Makler über zwei Monate hinweg mehrfach angefragt und nie erhalten
Was ist die Booking.com Partner-Haftpflicht?
Die Partner Liability Insurance (PLI) ist ein Programm, das Booking.com seit dem 31. März 2022 kostenlos für alle Gastgeber bereitstellt. Angekündigt wurde es auf der hauseigenen Click-Konferenz 2022, vorbereitet schon ab 2019, dann durch die Pandemie verzögert.
Versicherer im Europäischen Wirtschaftsraum ist die Zurich Insurance Europe AG. Die Schadenregulierung läuft über Crawford & Company als externen Dienstleister (Booking.comHelp@crawford.com).
Die PLI ist ein echter Versicherungsvertrag mit Rechtsanspruch auf Leistung. Du kannst dich im Schadenfall darauf berufen, sofern dein Schaden in den Deckungsbereich fällt.
Die Police wird jährlich erneuert. Die aktuell gültige Fassung läuft vom 1. Januar bis 31. Dezember 2026. Booking.com und Zurich können bei jeder Verlängerung Konditionen anpassen oder das Programm einstellen.
Was die Booking.com Versicherung wirklich abdeckt
Die PLI ist eine reine Haftpflichtversicherung für Drittschäden. Sie greift in zwei Fällen (FAQ Booking.com):
- Personenschäden eines Gastes während des gebuchten Aufenthalts. Beispiel: Ein Gast rutscht in deiner Dusche aus und bricht sich den Arm.
- Sachschäden Dritter, die der Gast während des Aufenthalts verursacht. Beispiel: Ein Gast lässt den Wasserhahn laufen und beschädigt die Wohnung des Nachbarn unter dir.
Die Limits laut Policy Summary:
| Limit | Betrag |
|---|---|
| Pro Vorfall | 1.000.000 EUR (EWR) |
| Pro Unterkunft, Programmlaufzeit | 1.000.000 EUR |
| Programm-Gesamtlimit | 10.000.000 EUR |
Klingt erst mal komfortabel. Genau hier beginnt aber das Problem.
Wo das trügerische Sicherheitsgefühl beginnt
Die PLI ist nur der Haftpflicht-Baustein, vergleichbar mit einem einzelnen Modul aus einer normalen Betriebshaftpflichtversicherung. Alles, was über reine Drittschäden hinausgeht, fehlt komplett: kein Inventarschutz, kein Ertragsausfall, kein Rechtsschutz, kein Schutz für Direktbuchungen.
Wer als Gastgeber denkt: "Booking gibt mir 1 Million Euro, das reicht", übersieht, dass die meisten Schäden in der Kurzzeitvermietung gar keine Drittschäden sind, sondern eigene Schäden. Das kaputte TV, der zerkratzte Holzboden, das gestohlene Küchenmesser, der entstandene Mietausfall nach einem Wasserschaden: alles eigene Schäden, alles nicht versichert.
Booking.com PLI vs. eigene Versicherungen
| Risiko | Booking PLI | Eigene Police nötig |
|---|---|---|
| Personenschaden Gast | ja, bis 1 Mio. EUR | Betriebshaftpflicht, oft 5 bis 10 Mio. EUR möglich |
| Sachschaden Dritter (Nachbar) | ja | Betriebshaftpflicht |
| Inventar zerstört (TV, Möbel) | nein | Inhaltsversicherung |
| Ertragsausfall nach Schaden | nein | Ertragsausfallbaustein |
| Direktbuchungen oder andere Plattformen | nein | Eigene Police, gilt für jede Buchung |
| Schimmel, Bakterien, Pilze | nein | Inhalts- und Gebäudeversicherung |
| Anwalts- und Gerichtskosten | nein | Firmenrechtsschutz |
| Gebäudesubstanz (Eigentümer) | nein | Gebäudeversicherung mit KZV-Klausel |
| Persönliche Haftung Geschäftsführer | nein | D&O-Versicherung |
| Verletzung der Reinigungskraft | nein | Eigene Betriebshaftpflicht oder Berufsgenossenschaft |
Die meisten Schadenfälle, die wir bei vairsicherung in der Beratung sehen, fallen genau in die "nein"-Spalte.
Die kritischen Ausschlüsse im Detail
Die Policy Summary listet eine ganze Reihe von Ausschlüssen auf. Die wichtigsten für Gastgeber:
- Eigene Unterkunft und eigenes Inventar. Schäden an Sachen, die in deiner Obhut, deinem Besitz oder deiner Kontrolle stehen, sind komplett ausgeschlossen ("care, custody, control"-Klausel)
- Buchungen über andere Plattformen oder Direktbuchungen. Nur Reservierungen über Booking.com sind gedeckt
- Ertragsausfall. Mietausfälle nach einem Schaden sind gar nicht enthalten, weder direkt noch indirekt
- Schimmel, Pilze, Bakterien in Gebäuden
- Mitarbeiterunfälle. Wenn deine Reinigungskraft oder dein Hausmeister sich verletzt, greift die PLI nicht (Arbeitgeberhaftung ausgeschlossen)
- Vorsätzliche Verletzungen, sexuelle Übergriffe, Diskriminierung
- Asbest, Blei, Siliziumdioxid
- Vertragliche Haftung über die gesetzliche Haftung hinaus
- Datenpannen, elektronische Daten, Cyber-Vorfälle
- Krieg und politische Risiken
Ein Punkt fehlt in der öffentlichen Policy Summary auffällig: die Selbstbeteiligung. Die wird nicht beziffert. Wer also einen Schaden über die PLI meldet, weiß vorher nicht, was bei ihm im Worst Case hängen bleibt. Bei eigenen Policen ist das vertraglich klar geregelt.
Ein zweiter Punkt: Die Schadenregulierung läuft über Crawford, einen US-amerikanischen Schadenregulierer. Du hast in Deutschland keinen Makler, der sich um deinen Fall kümmert, keinen deutschen Anwalt im Hintergrund, keinen vertrauten Ansprechpartner.
Wir wollten die vollständigen Bedingungen sehen. Wir haben sie nie bekommen.
Öffentlich einsehbar ist nur eine knappe Policy Summary, also eine zusammengefasste Übersicht. Das vollständige Bedingungswerk, die komplette Police mit allen Klauseln, Definitionen und Ausschlüssen, ist nicht frei zugänglich.
Wir haben es als spezialisierter Versicherungsmakler über die offiziellen Kanäle angefragt. Zwei Monate lang, mehrfach nachgehakt, immer wieder erinnert. Bis heute haben wir nichts erhalten: keine vollständige Police, kein Dokument, keine belastbare Antwort.
Wenn nicht einmal ein spezialisierter Versicherungsmakler die vollständigen Bedingungen zu sehen bekommt, dann bekommst du sie als einzelner Gastgeber erst recht nicht. Du sicherst damit ein Risiko über eine Police ab, deren genaue Spielregeln du gar nicht kennst. Selbstbeteiligung, Detailausschlüsse, Obliegenheiten und Meldefristen stehen in einem Dokument, das du im Zweifel erst im Schadenfall zum ersten Mal liest, falls überhaupt.
Genau das ist das Muster einer kostenlosen Plattform-Versicherung. Verlass dich nicht auf einen Schutz, dessen Bedingungen du nicht nachlesen und nicht prüfen kannst. Bei einer eigenen Police bekommst du das vollständige Bedingungswerk vor Vertragsschluss auf den Tisch.
Jahres-Programm statt vertraglich gesicherter Schutz
Die PLI ist seit 2022 ein Jahresprogramm. Die jeweils aktuelle Police läuft vom 1. Januar bis 31. Dezember und wird jedes Jahr neu aufgelegt. Booking.com und Zurich behalten sich vor, das Programm zu verlängern, in den Bedingungen anzupassen oder einzustellen.
Bislang wurde es jedes Jahr verlängert. Eine Garantie, dass das so bleibt, gibt es nicht.
Dann hast du zum Jahreswechsel keinen Schutz mehr. Eine eigene Versicherung läuft, solange dein Vertrag läuft, mit gesetzlicher Kündigungsfrist. Eine plattform-finanzierte Versicherung läuft, solange die Plattform es will.
Eine eigene Police bei einem deutschen Versicherer hat eine Vertragslaufzeit von 1 oder 3 Jahren. Du weißt, was du hast.
Was, wenn du nicht ausschließlich über Booking.com vermietest?
Die meisten Gastgeber, mit denen wir bei vairsicherung sprechen, vermieten nicht nur über einen einzigen Vertriebskanal. Sie nutzen mehrere Kanäle parallel oder akzeptieren Direktbuchungen über die eigene Website und über Stammkunden.
Hier wird es brenzlig: Die Booking PLI greift ausschließlich für Reservierungen, die über Booking.com vermittelt wurden. Jede Buchung außerhalb dieses Kanals ist aus der Plattform-Deckung raus. Bei einer Direktbuchung trägst du das volle Haftungsrisiko selbst.
Eine eigene Betriebshaftpflicht gilt dagegen für jede Buchung, ab Tag 1, unabhängig vom Vertriebskanal. Egal ob 1 Nacht oder 3 Monate, egal ob über einen Buchungskanal oder direkt.
Die Versicherungen, die Booking nicht ersetzt
Wenn die Booking.com PLI dein einziger Schutz ist, hast du folgende Lücken offen:
| Police | Was sie zusätzlich abdeckt |
|---|---|
| Betriebshaftpflicht | Höhere Deckungssummen für jede Buchung, oft 5 bis 10 Mio. EUR, deutscher Versicherer und deutsches Schadenrecht |
| Inhaltsversicherung | Inventar bei Vandalismus, Diebstahl, Feuer, Wasserschaden, Sturm, oft mit Neuwertentschädigung |
| Ertragsausfall | Entgangener Umsatz bei Schadenausfall, für jede Buchung |
| Firmenrechtsschutz | Anwalts- und Gerichtskosten bei Streit mit Behörden, Eigentümern oder Gästen |
| Gebäudeversicherung mit KZV-Klausel | Gebäudesubstanz (für Eigentümer), inkludiert die gewerbliche Kurzzeitvermietung |
| D&O | Persönliche Haftung des Geschäftsführers bei GmbH-Konstruktionen |
Häufige Fragen zur Booking.com Versicherung
Ist die Booking.com Partner-Haftpflicht eine echte Versicherung?
Ja. Die Partner Liability Insurance ist ein echter Versicherungsvertrag mit der Zurich Insurance Europe AG. Du hast einen Rechtsanspruch auf Leistung im versicherten Schadenfall. Sie deckt allerdings nur Drittschäden, also Personen- und Sachschäden bei Gästen oder Nachbarn.
Reicht die Booking-Versicherung als alleiniger Schutz?
Nein. Sie ist eine reine Haftpflicht für Drittschäden, deckt also nur Personenschäden bei Gästen und Sachschäden bei Dritten. Inventar, Ertragsausfall, Rechtsschutz, Gebäude und Direktbuchungen sind nicht versichert.
Bin ich bei Direktbuchungen oder Buchungen über andere Plattformen versichert?
Nein. Die Booking.com PLI gilt ausschließlich für Reservierungen, die über Booking.com vermittelt wurden. Direktbuchungen oder Buchungen über andere Plattformen fallen aus der Deckung heraus.
Was passiert, wenn ein Gast mein Inventar zerstört?
Das ist nicht versichert. Schäden an deiner eigenen Unterkunft, an deinem Inventar oder an Sachen in deiner Obhut sind in der Booking.com PLI komplett ausgeschlossen ("care, custody, control"-Klausel). Dafür brauchst du eine eigene Inhaltsversicherung.
Was, wenn Booking.com das Programm einmal nicht verlängert?
Dann hast du zum Jahreswechsel keinen Schutz mehr. Die PLI ist ein Jahresprogramm, das seit 2022 jährlich neu aufgelegt wird. Booking.com und Zurich können bei jeder Verlängerung anpassen oder einstellen. Eine eigene Versicherung hat dagegen eine vertraglich gesicherte Laufzeit.
Fazit: Booking PLI ist Ergänzung, kein Ersatz
Die Booking.com Partner-Haftpflichtversicherung ist eine echte Versicherung über Zurich. Sie liefert einen kostenlosen Haftpflicht-Baustein für Drittschäden, gedeckelt bei 1 Million pro Vorfall, gültig nur für Buchungen über Booking.com.
Das ist gut zu haben, ersetzt aber keine eigene Absicherung. Inventar, Ertragsausfall, Direktbuchungen, Mitarbeiter, Rechtsschutz und Gebäude sind nicht gedeckt. Und die vollständigen Bedingungen dieses Schutzes konnten wir trotz wiederholter Anfrage über zwei Monate nicht einsehen, ein Schutz, den du selbst nicht nachlesen kannst, taugt nicht als Fundament.
Eine eigene, spezialisierte Versicherungsstruktur bleibt das Fundament: Betriebshaftpflicht, Inhaltsversicherung und Ertragsausfall als Basis, je nach Geschäftsmodell ergänzt um Rechtsschutz, Gebäudeversicherung oder D&O. Die Booking PLI ist dann das Sahnehäubchen, nicht die Grundlage.

Geschrieben von
Said Shurafa
Versicherungsmakler (IHK), 100% spezialisiert auf Kurzzeitvermietung. Berät über 300 Kurzzeitvermieter in ganz Deutschland zu Versicherungsschutz, der im Schadenfall wirklich greift.