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Gesetze & Vorschriften7 Min. Lesezeit

Ferienwohnung vermieten: ab wann ist das ein Gewerbe? Die Abgrenzung zur privaten Vermietung

Ferienwohnung vermieten und ab wann ist das ein Gewerbe? Wo die Grenze zwischen privater Vermietung und Gewerbebetrieb liegt und welche Zusatzleistungen sie kippen.

Said ShurafaSaid ShurafaVersicherungsmakler (IHK) • 100% spezialisiert auf Kurzzeitvermietung

Ferienwohnung vermieten: ab wann Gewerbe?

10 Min. · vorgelesen

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Ferienwohnung vermieten: ab wann ist das ein Gewerbe? Die Abgrenzung zur privaten Vermietung

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Inhalt

Drei Ferienwohnungen in einem Haus, alle möbliert, Bettwäsche liegt bereit, die Endreinigung rechnest du pauschal ab. Nach Betrieb klingt das schon. Ein Gewerbe ist es deswegen noch nicht, denn daraus kann „nicht ohne weiteres ein Gewerbebetrieb angenommen werden". Eine Zahl an Wohnungen, ab der es kippt, gibt es nicht.

Entscheidend ist etwas anderes: ob rund um deine Gäste eine Organisation nötig wird wie in einer Fremdenpension. Die Antwort darauf ändert mehr als eine Zeile in der Steuererklärung. Sie bestimmt mit, was dich der Verkauf der Wohnung Jahre später kostet.

Bevor du entscheidest

Das hier sind allgemeine Informationen und unsere Einschätzung dazu. Vor einer Entscheidung in deinem Fall sprich bitte mit einem Steuerberater.

Ab wann ist deine Ferienwohnung ein Gewerbe?

Sobald du mehr tust, als dein Vermögen zu nutzen. Vier Merkmale nennt das Gesetz für den Gewerbebetrieb, nämlich eine „selbständige nachhaltige Betätigung" mit Gewinnabsicht und Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr. Die erfüllt fast jede Ferienwohnung, deshalb kommt es auf ein fünftes Merkmal an, das in keinem Gesetz steht: dass du über die private Verwaltung deines Vermögens hinausgehst.

Wer Wohnungen vermietet, geht nach dem Bundesfinanzhof „in der Regel nicht über den Rahmen der privaten Vermögensverwaltung hinaus", und ein Gewerbe kommt nur in Betracht, wenn besondere Umstände dazukommen.

Diese besonderen Umstände sind zwei, einer reicht:

  1. Du erbringst Sonderleistungen, also Leistungen, die bei der Vermietung von Räumen unüblich sind und ins Gewicht fallen.
  2. Der Gästewechsel ist so dicht, dass du dafür eine Organisation brauchst wie ein Hotel oder eine Pension.

Welche Zusatzleistungen kippen die Einordnung?

Nicht jede. Der Bundesfinanzhof hat 1984 gefragt: Wechseln die Gäste so oft, oder kommen so viele Leistungen dazu, dass du den Betrieb organisieren musst „wie sie auch in Fremdenpensionen vorkommt"?

Was du anbietestWie es auf die Einordnung wirkt
Möblierung, Geschirr, bereitgelegte BettwäscheGrundausstattung, kippt für sich genommen nichts
Endreinigung nach der Abreise, gegen Pauschaleüblich in dieser Form, kippt für sich genommen nichts
Tägliche Reinigung, Handtuchwechsel im AufenthaltSchritt Richtung Beherbergungsbetrieb
Frühstück, Halb- oder Vollpensiontypische Fremdenpension, starkes Indiz für Gewerbe
Empfang mit Personal, Schlüssel rund um die UhrRezeptionsbetrieb, starkes Indiz für Gewerbe
Eigene Kräfte für Reinigung und WäscheservicePersonaleinsatz, starkes Indiz für Gewerbe
Kurze Aufenthalte, dichter Wechsel ohne Vorlaufkann allein schon eine Betriebsorganisation verlangen

Nein, die Endreinigung allein macht dich nicht zum Gewerbe. Und wenn eine Agentur das übernimmt? Bietet eine Agentur deine Wohnung wie ein Hotel an, wird daraus für dich noch kein Gewerbe. Das gilt, wenn sie als Treuhänder handelt und selbst etwas daran verdient, etwa weil sie die Leistungen eines Hotels auf eigene Rechnung erbringt.

Umgekehrt gilt: Je weniger du selbst leistest, desto klarer bleibt das Bild der reinen Vermietung. Ein Code am Schloss statt der Übergabe vor Ort gehört dazu, mehr dazu im Artikel zum Silent Check-out.

Was ändert sich, wenn es ein Gewerbe ist?

Eine dritte Schublade gibt es nicht. Einkünfte aus Vermietung sind „Einkünften aus anderen Einkunftsarten zuzurechnen, soweit sie zu diesen gehören". Liegt ein Gewerbe vor, ist die private Vermietung raus.

Private VermietungGewerbebetrieb
Gewerbeanmeldungnicht nötignötig, sobald der Betrieb anfängt
Gewerbesteuerfällt nicht anfällt an, nach Abzug des Freibetrags von 24.500 Euro
IHKkeine MitgliedschaftPflichtmitgliedschaft, dazu ein Beitrag
ErgebnisrechnungÜberschuss über die WerbungskostenEinnahmen-Überschuss-Rechnung oder Bilanz
Verkauf der Immobilienach zehn Jahren steuerfreiBetriebsvermögen, Veräußerungsgewinn wird besteuert
Inventar und MöbelAbschreibung als WerbungskostenAbschreibung als Betriebsausgabe

Die Zeile zum Verkauf ist die teuerste. Gehört die Wohnung zum Betrieb, ist die Frist von zehn Jahren weg. Bei stark gestiegenem Wert geht es um mehr Geld als bei der ganzen Steuer auf das Gewerbe.

Vorsicht bei mehreren Wohnungen unter einem Konzept

Wer fünf, zehn oder zwanzig Einheiten anmietet und weitervermietet, betreibt in aller Regel ein Gewerbe. Arbeit, Organisation und Personal lassen sich dann kaum noch als Verwaltung des eigenen Vermögens erklären. Auch bei der Police gelten dafür eigene Regeln, dazu unser Leitfaden zur Mietarbitrage.

Musst du ein Gewerbe anmelden?

Nur wenn wirklich eines vorliegt. Anzeigepflichtig ist, wer den „selbständigen Betrieb eines stehenden Gewerbes" anfängt. Wer nur eigenes Vermögen verwaltet, betreibt kein Gewerbe in diesem Sinn und muss nichts anzeigen. Die amtliche Beschreibung nennt die Verwaltung eigenen Vermögens ausdrücklich als Tätigkeit ohne Anmeldung. Wer privat vermietet, trägt seine Einkünfte in die Anlage V ein, und damit ist die Sache erledigt.

Landest du im gewerblichen Bereich, meldest du das Gewerbe beim Gewerbeamt deiner Gemeinde an, oft auch online, und die Gebühr setzt jede Gemeinde fest. Die übrige Post kommt danach von allein. Das Gesetz listet auf, wohin die Daten der Gewerbeanzeige laufen, unter anderem an die Industrie- und Handelskammer, das Finanzamt, die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung und die statistischen Ämter der Länder.

Die Gewerbeanmeldung ist nicht die Erlaubnis zu vermieten

Ob du an Feriengäste vermieten darfst, steht an drei Stellen: im Recht gegen die Zweckentfremdung deines Landes, im Baurecht und in der Teilungserklärung deines Hauses. Eine Gewerbeanmeldung ersetzt keine dieser Erlaubnisse, und wer eine Erlaubnis hat, ist deshalb noch kein Gewerbe.

Was kostet dich die Gewerbesteuer wirklich?

Weniger, als die meisten befürchten. Die Steuer setzt am Gewerbeertrag an, und bei natürlichen Personen sowie Personengesellschaften wird er um einen Freibetrag von 24.500 Euro gekürzt. Die Steuermesszahl beträgt 3,5 Prozent, darauf legt die Gemeinde ihren Hebesatz. Der lag 2024 im Schnitt aller Gemeinden bei 409 Prozent.

Rechenschritt bei 40.000 Euro GewinnBetrag
Gewerbeertrag40.000 Euro
abzüglich Freibetrag24.500 Euro
verbleibt15.500 Euro
Steuermessbetrag (3,5 Prozent)542,50 Euro
Gewerbesteuer bei Hebesatz 409 Prozent2.218,83 Euro
Anrechnung: das Vierfache des Messbetrags2.170,00 Euro
rechnerisch verbleibende Mehrbelastung48,83 Euro

Die Einkommensteuer sinkt um das Vierfache des Messbetrags, mehr als die gezahlte Steuer wird nicht angerechnet. Das gilt nur bei natürlichen Personen und Personengesellschaften, nicht bei einer GmbH, und nur, wenn auf die Einkünfte aus dem Gewerbe überhaupt genug Steuer entfällt. In Gemeinden mit Hebesätzen weit über 400 Prozent bleibt entsprechend mehr übrig.

Beim IHK-Beitrag ist es ähnlich. Du zahlst nichts, solange dein Gewerbeertrag oder dein Gewinn aus dem Gewerbe 5.200 Euro nicht übersteigt und du als natürliche Person oder Personengesellschaft nicht im Handelsregister stehst. Mitglied bist du trotzdem, nur der Beitrag entfällt.

Die Umsatzsteuer hängt nicht an dieser Einordnung. Für Kleinunternehmer greift die Regel, solange dein Gesamtumsatz im Vorjahr 25.000 Euro nicht überschritten hat und im laufenden Jahr 100.000 Euro nicht überschreitet. Auch private Vermieter können hier hineinlaufen.

Was heißt die Einordnung für deine Versicherung?

Dein Versicherer folgt dem Finanzamt nicht. Bei der Hausratversicherung ist das der alte Stolperstein. Die Musterbedingungen des GDV (VHB 2022) zählen gewerblich genutzte Räume nicht zur versicherten Wohnung, und ob dich das Finanzamt als privat führt, spielt für diese Klausel keine Rolle. Wer regelmäßig an wechselnde Gäste vermietet, sollte sich deshalb nicht auf die private Police verlassen. Dazu zwei Artikel: Inhaltsversicherung oder Hausrat und Hausratversicherung bei Airbnb-Vermietung.

Dasselbe gilt für die Haftung gegenüber deinen Gästen. Deine Pflicht, die Wohnung sicher zu halten, hängt nicht an einer Schublade beim Finanzamt, sondern daran, dass du Räume für andere bereitstellst. Was eine Betriebshaftpflicht für Ferienwohnungen leistet, klärst du getrennt davon. Und Schäden, die deine Gäste selbst anrichten, laufen weder über den Hausrat noch über die Inhaltsversicherung. Dafür gibt es einen eigenen Baustein, die Gastschadenversicherung.

Was du jetzt tust

So gehst du vor

  1. Schreib auf, was du rund um den Aufenthalt leistest. Reinigung, Wäsche, Empfang, Frühstück, Betreuung vor Ort.
  2. Prüf, wer die Extras erbringt. Machst du sie selbst, zählen sie dir. Erbringt ein Vermittler sie mit eigenem wirtschaftlichem Interesse, spricht das dagegen.
  3. Lass die Einordnung klären, bevor du etwas anmeldest. Dein Steuerberater rechnet dabei auch aus, was die Wohnung im Betriebsvermögen beim späteren Verkauf kostet.
  4. Meldest du an, dann mit dem Formular GewA 1. Danach kommt vom Finanzamt der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über ELSTER, daraus die Steuernummer für den Betrieb.
  5. Leg deine Police daneben. Prüf getrennt, ob sie zur Vermietung an Gäste passt.

Häufige Fragen zu Ferienwohnung und Gewerbe

Ferienwohnung vermieten: muss man ein Gewerbe anmelden?
Nur wenn tatsächlich ein Gewerbebetrieb vorliegt. Die reine Verwaltung eigenen Vermögens ist kein Gewerbe im Sinn des § 14 Abs. 1 GewO, eine Anzeige beim Gewerbeamt entfällt dann. Sobald du Sonderleistungen wie tägliche Reinigung oder Frühstück anbietest oder der Gästewechsel eine Organisation wie in einem Beherbergungsbetrieb verlangt, kippt die Einordnung.
Ab wie vielen Ferienwohnungen ist es ein Gewerbe?
Es gibt keine Zahlengrenze im Gesetz. Der BFH hat entschieden, dass auch bei drei Ferienwohnungen in einem Haus nicht ohne weiteres ein Gewerbebetrieb anzunehmen ist (Urteil vom 28.06.1984, IV R 150/82). Entscheidend ist das Gesamtbild aus Gästewechsel, Zusatzleistungen und deinem Arbeitseinsatz, nicht die Stückzahl.
Macht die Endreinigung meine Vermietung gewerblich?
Nein, die Endreinigung nach der Abreise gehört zur üblichen Ausstattung einer Ferienwohnung und kippt für sich genommen nichts. Anders sieht es bei täglicher Zimmerreinigung, Handtuchwechsel während des Aufenthalts oder Frühstück aus. Diese Leistungen gelten als hoteltypisch und verschieben das Gesamtbild Richtung Gewerbebetrieb.
Ist Airbnb-Vermietung automatisch ein Gewerbe?
Nein. Über welche Plattform du vermietest, ist steuerlich kein eigenes Kriterium. Auch wenn ein Vermittler deine Wohnung hotelmäßig anbietet, führt das beim Eigentümer nicht automatisch zu gewerblichen Einkünften, solange die hoteltypischen Zusatzleistungen dem Vermittler zuzurechnen sind (BFH, Urteil vom 28.05.2020, IV R 10/18).
Wie hoch ist der Gewerbesteuer-Freibetrag?
Bei natürlichen Personen und Personengesellschaften wird der Gewerbeertrag um 24.500 Euro gekürzt (§ 11 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 GewStG). Auf den Rest werden 3,5 Prozent Steuermesszahl und der Hebesatz der Gemeinde angewendet. Was dann noch anfällt, wird nach § 35 EStG in Grenzen auf die Einkommensteuer angerechnet.
Muss ich als Vermieter IHK-Beitrag zahlen?
Nur bei einem Gewerbebetrieb, und auch dann oft nicht. Nach § 3 Abs. 3 IHKG sind nicht im Handelsregister eingetragene natürliche Personen und Personengesellschaften vom Beitrag freigestellt, solange ihr Gewerbeertrag beziehungsweise Gewinn aus Gewerbebetrieb 5.200 Euro nicht übersteigt. Für Existenzgründer gibt es eine zusätzliche gestaffelte Befreiung in den ersten vier Jahren.
Was passiert beim Verkauf mit der Zehnjahresfrist?
Bei privater Vermietung bleibt der Gewinn aus dem Verkauf nach zehn Jahren ohne Steuer (§ 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG). Gehört die Wohnung dagegen zum Betriebsvermögen eines Gewerbebetriebs, gilt diese Frist nicht und der Veräußerungsgewinn wird besteuert. Das ist meist der finanziell schwerste Punkt der ganzen Abgrenzung.
Ändert die Gewerbeanmeldung etwas an meiner Versicherung?
Die Einordnung durch das Finanzamt und die durch deinen Versicherer sind zwei getrennte Fragen. Die Musterbedingungen des GDV (VHB 2022) rechnen unter A 10.1.1 gewerblich genutzte Räume nicht zur versicherten Wohnung, unabhängig davon, wie das Finanzamt entschieden hat. Prüfe deinen Vertrag deshalb getrennt von der Steuerfrage.

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