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Drei Ferienwohnungen in einem Haus, alle möbliert, Bettwäsche liegt bereit, die Endreinigung rechnest du pauschal ab. Nach Betrieb klingt das schon. Ein Gewerbe ist es deswegen noch nicht, denn daraus kann „nicht ohne weiteres ein Gewerbebetrieb angenommen werden".BFH, Urteil vom 28.06.1984, IV R 150/82, BStBl II 1985 S. 211dejure.org Eine Zahl an Wohnungen, ab der es kippt, gibt es nicht.
Entscheidend ist etwas anderes: ob rund um deine Gäste eine Organisation nötig wird wie in einer Fremdenpension. Die Antwort darauf ändert mehr als eine Zeile in der Steuererklärung. Sie bestimmt mit, was dich der Verkauf der Wohnung Jahre später kostet.
Das hier sind allgemeine Informationen und unsere Einschätzung dazu. Vor einer Entscheidung in deinem Fall sprich bitte mit einem Steuerberater.
Ab wann ist deine Ferienwohnung ein Gewerbe?
Sobald du mehr tust, als dein Vermögen zu nutzen. Vier Merkmale nennt das Gesetz für den Gewerbebetrieb, nämlich eine „selbständige nachhaltige Betätigung" mit Gewinnabsicht und Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr.§ 15 Abs. 2 Satz 1 EStGgesetze-im-internet.de Die erfüllt fast jede Ferienwohnung, deshalb kommt es auf ein fünftes Merkmal an, das in keinem Gesetz steht: dass du über die private Verwaltung deines Vermögens hinausgehst.
Wer Wohnungen vermietet, geht nach dem Bundesfinanzhof „in der Regel nicht über den Rahmen der privaten Vermögensverwaltung hinaus", und ein Gewerbe kommt nur in Betracht, wenn besondere Umstände dazukommen.BFH, Urteil vom 28.05.2020, IV R 10/18, BStBl II 2023 S. 739bundesfinanzhof.de
Diese besonderen Umstände sind zwei, einer reicht:
- Du erbringst Sonderleistungen, also Leistungen, die bei der Vermietung von Räumen unüblich sind und ins Gewicht fallen.
- Der Gästewechsel ist so dicht, dass du dafür eine Organisation brauchst wie ein Hotel oder eine Pension.
Welche Zusatzleistungen kippen die Einordnung?
Nicht jede. Der Bundesfinanzhof hat 1984 gefragt: Wechseln die Gäste so oft, oder kommen so viele Leistungen dazu, dass du den Betrieb organisieren musst „wie sie auch in Fremdenpensionen vorkommt"?BFH, Urteil vom 28.06.1984, IV R 150/82, BStBl II 1985 S. 211dejure.org
| Was du anbietest | Wie es auf die Einordnung wirkt |
|---|---|
| Möblierung, Geschirr, bereitgelegte Bettwäsche | Grundausstattung, kippt für sich genommen nichts |
| Endreinigung nach der Abreise, gegen Pauschale | üblich in dieser Form, kippt für sich genommen nichts |
| Tägliche Reinigung, Handtuchwechsel im Aufenthalt | Schritt Richtung Beherbergungsbetrieb |
| Frühstück, Halb- oder Vollpension | typische Fremdenpension, starkes Indiz für Gewerbe |
| Empfang mit Personal, Schlüssel rund um die Uhr | Rezeptionsbetrieb, starkes Indiz für Gewerbe |
| Eigene Kräfte für Reinigung und Wäscheservice | Personaleinsatz, starkes Indiz für Gewerbe |
| Kurze Aufenthalte, dichter Wechsel ohne Vorlauf | kann allein schon eine Betriebsorganisation verlangen |
Nein, die Endreinigung allein macht dich nicht zum Gewerbe. Und wenn eine Agentur das übernimmt? Bietet eine Agentur deine Wohnung wie ein Hotel an, wird daraus für dich noch kein Gewerbe. Das gilt, wenn sie als Treuhänder handelt und selbst etwas daran verdient, etwa weil sie die Leistungen eines Hotels auf eigene Rechnung erbringt.BFH, Urteil vom 28.05.2020, IV R 10/18bundesfinanzhof.de
Umgekehrt gilt: Je weniger du selbst leistest, desto klarer bleibt das Bild der reinen Vermietung. Ein Code am Schloss statt der Übergabe vor Ort gehört dazu, mehr dazu im Artikel zum Silent Check-out.
Was ändert sich, wenn es ein Gewerbe ist?
Eine dritte Schublade gibt es nicht. Einkünfte aus Vermietung sind „Einkünften aus anderen Einkunftsarten zuzurechnen, soweit sie zu diesen gehören".§ 21 Abs. 3 EStGgesetze-im-internet.de Liegt ein Gewerbe vor, ist die private Vermietung raus.
| Private Vermietung | Gewerbebetrieb | |
|---|---|---|
| Gewerbeanmeldung | nicht nötig | nötig, sobald der Betrieb anfängt§ 14 Abs. 1 Satz 1 GewOgesetze-im-internet.de |
| Gewerbesteuer | fällt nicht an | fällt an, nach Abzug des Freibetrags von 24.500 Euro |
| IHK | keine Mitgliedschaft | Pflichtmitgliedschaft, dazu ein Beitrag§ 3 IHKGgesetze-im-internet.de |
| Ergebnisrechnung | Überschuss über die Werbungskosten | Einnahmen-Überschuss-Rechnung oder Bilanz |
| Verkauf der Immobilie | nach zehn Jahren steuerfrei§ 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStGgesetze-im-internet.de | Betriebsvermögen, Veräußerungsgewinn wird besteuert |
| Inventar und Möbel | Abschreibung als Werbungskosten | Abschreibung als Betriebsausgabe |
Die Zeile zum Verkauf ist die teuerste. Gehört die Wohnung zum Betrieb, ist die Frist von zehn Jahren weg. Bei stark gestiegenem Wert geht es um mehr Geld als bei der ganzen Steuer auf das Gewerbe.
Wer fünf, zehn oder zwanzig Einheiten anmietet und weitervermietet, betreibt in aller Regel ein Gewerbe. Arbeit, Organisation und Personal lassen sich dann kaum noch als Verwaltung des eigenen Vermögens erklären. Auch bei der Police gelten dafür eigene Regeln, dazu unser Leitfaden zur Mietarbitrage.
Musst du ein Gewerbe anmelden?
Nur wenn wirklich eines vorliegt. Anzeigepflichtig ist, wer den „selbständigen Betrieb eines stehenden Gewerbes" anfängt.§ 14 Abs. 1 Satz 1 GewOgesetze-im-internet.de Wer nur eigenes Vermögen verwaltet, betreibt kein Gewerbe in diesem Sinn und muss nichts anzeigen. Die amtliche Beschreibung nennt die Verwaltung eigenen Vermögens ausdrücklich als Tätigkeit ohne Anmeldung.Bundesportal der Verwaltung, Gewerbeanmeldungverwaltung.bund.de Wer privat vermietet, trägt seine Einkünfte in die Anlage V ein, und damit ist die Sache erledigt.
Landest du im gewerblichen Bereich, meldest du das Gewerbe beim Gewerbeamt deiner Gemeinde an, oft auch online, und die Gebühr setzt jede Gemeinde fest. Die übrige Post kommt danach von allein. Das Gesetz listet auf, wohin die Daten der Gewerbeanzeige laufen, unter anderem an die Industrie- und Handelskammer, das Finanzamt, die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung und die statistischen Ämter der Länder.§ 14 Abs. 8 GewOgesetze-im-internet.de
Ob du an Feriengäste vermieten darfst, steht an drei Stellen: im Recht gegen die Zweckentfremdung deines Landes, im Baurecht und in der Teilungserklärung deines Hauses. Eine Gewerbeanmeldung ersetzt keine dieser Erlaubnisse, und wer eine Erlaubnis hat, ist deshalb noch kein Gewerbe.
Was kostet dich die Gewerbesteuer wirklich?
Weniger, als die meisten befürchten. Die Steuer setzt am Gewerbeertrag an, und bei natürlichen Personen sowie Personengesellschaften wird er um einen Freibetrag von 24.500 Euro gekürzt.§ 11 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 GewStGgesetze-im-internet.de Die Steuermesszahl beträgt 3,5 Prozent,§ 11 Abs. 2 GewStGgesetze-im-internet.de darauf legt die Gemeinde ihren Hebesatz. Der lag 2024 im Schnitt aller Gemeinden bei 409 Prozent.Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 309 vom 21.08.2025destatis.de
| Rechenschritt bei 40.000 Euro Gewinn | Betrag |
|---|---|
| Gewerbeertrag | 40.000 Euro |
| abzüglich Freibetrag | 24.500 Euro |
| verbleibt | 15.500 Euro |
| Steuermessbetrag (3,5 Prozent) | 542,50 Euro |
| Gewerbesteuer bei Hebesatz 409 Prozent | 2.218,83 Euro |
| Anrechnung: das Vierfache des Messbetrags | 2.170,00 Euro |
| rechnerisch verbleibende Mehrbelastung | 48,83 Euro |
Die Einkommensteuer sinkt um das Vierfache des Messbetrags, mehr als die gezahlte Steuer wird nicht angerechnet.§ 35 Abs. 1 EStGgesetze-im-internet.de Das gilt nur bei natürlichen Personen und Personengesellschaften, nicht bei einer GmbH, und nur, wenn auf die Einkünfte aus dem Gewerbe überhaupt genug Steuer entfällt. In Gemeinden mit Hebesätzen weit über 400 Prozent bleibt entsprechend mehr übrig.
Beim IHK-Beitrag ist es ähnlich. Du zahlst nichts, solange dein Gewerbeertrag oder dein Gewinn aus dem Gewerbe 5.200 Euro nicht übersteigt und du als natürliche Person oder Personengesellschaft nicht im Handelsregister stehst.§ 3 Abs. 3 IHKGgesetze-im-internet.de Mitglied bist du trotzdem, nur der Beitrag entfällt.
Die Umsatzsteuer hängt nicht an dieser Einordnung. Für Kleinunternehmer greift die Regel, solange dein Gesamtumsatz im Vorjahr 25.000 Euro nicht überschritten hat und im laufenden Jahr 100.000 Euro nicht überschreitet. Auch private Vermieter können hier hineinlaufen.§ 19 Abs. 1 UStGgesetze-im-internet.de
Was heißt die Einordnung für deine Versicherung?
Dein Versicherer folgt dem Finanzamt nicht. Bei der Hausratversicherung ist das der alte Stolperstein. Die Musterbedingungen des GDV (VHB 2022) zählen gewerblich genutzte Räume nicht zur versicherten Wohnung, und ob dich das Finanzamt als privat führt, spielt für diese Klausel keine Rolle. Wer regelmäßig an wechselnde Gäste vermietet, sollte sich deshalb nicht auf die private Police verlassen. Dazu zwei Artikel: Inhaltsversicherung oder Hausrat und Hausratversicherung bei Airbnb-Vermietung.
Dasselbe gilt für die Haftung gegenüber deinen Gästen. Deine Pflicht, die Wohnung sicher zu halten, hängt nicht an einer Schublade beim Finanzamt, sondern daran, dass du Räume für andere bereitstellst. Was eine Betriebshaftpflicht für Ferienwohnungen leistet, klärst du getrennt davon. Und Schäden, die deine Gäste selbst anrichten, laufen weder über den Hausrat noch über die Inhaltsversicherung. Dafür gibt es einen eigenen Baustein, die Gastschadenversicherung.
Was du jetzt tust
So gehst du vor
- Schreib auf, was du rund um den Aufenthalt leistest. Reinigung, Wäsche, Empfang, Frühstück, Betreuung vor Ort.
- Prüf, wer die Extras erbringt. Machst du sie selbst, zählen sie dir. Erbringt ein Vermittler sie mit eigenem wirtschaftlichem Interesse, spricht das dagegen.
- Lass die Einordnung klären, bevor du etwas anmeldest. Dein Steuerberater rechnet dabei auch aus, was die Wohnung im Betriebsvermögen beim späteren Verkauf kostet.
- Meldest du an, dann mit dem Formular GewA 1. Danach kommt vom Finanzamt der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über ELSTER, daraus die Steuernummer für den Betrieb.
- Leg deine Police daneben. Prüf getrennt, ob sie zur Vermietung an Gäste passt.
